Judy’s und Ena’s Musicalchallenge

Musicalchallenge meets… Maya Hakvoort

Maya Hakvoort ist gebürtige Niederländerin und machte auch ihre Ausbildung in den Niederlanden.

2004 präsentierte sie ihr erstes Soloprogramm „Maya Goes Solo“, mit dem sie im Anschluss international auf Tour ging. Darauf folgten drei weitere erfolgreiche Solo-Programme.

Das deutsche Publikum liebt und kennt sie durch ihre Rollen in Rebecca (St. Gallen), Cats(Tecklenburg), Next to normal (Dortmund) und unzähligen Konzertformaten. Aber auch und ganz besonders viel sang sie sich in Österreich in die Herzen ihrer Fans. Hier stand sie unter Anderem jahrelang als „Elisabeth“ im gleichnamigen Musical auf der Bühne.

Neben ihrer eigenen Bühnentätigkeit ist Maya aber auch Inhaberin der Maya Hakvoort Music Productions, die, wie sie auf ihrer Website schreibt, etwas andere Agentur für Theater und Bühne.

Aktuell steht Maya mit den Absolventen der Stage School in Hamburg im First Stage Theater auf der Bühne. Gemeinsam mit den Schülern präsentiert sie Carrie – das Musical. Wir durften ihr speziell dazu all unsere Fragen stellen und hoffen mit ihren Antworten und Einblicken noch ganz viele von euch zu ermutigen, sich auch mal einen etwas weniger glitzernden Musical-Stoff anzusehen.


REPORT THIS AD

Für alle, die es noch nicht kennen, worum geht es in dem Musical Carrie?

Es geht um das junge Mädchen „Carrie White“, das von seiner Mutter „Margaret“ strenggläubig, ja fanatisch erzogen wird. Deshalb weiß „Carrie“ nicht viel von der Welt und dem Leben da draußen, denn Dinge, wie Partys mit Gleichaltrigen feiern, darf sie aus religiösen Gründen nicht. Die Religion, um die es geht, wird nicht genannt, sie ist beispielhaft für jede Art von fanatischem, sektenähnlichem Glauben, bei dem es viel um Sünden geht und wenig um Erlösung.

Was macht so eine Story mit dir?

Ich bin wachsamer, aber auch traurig und voller Mitgefühl gegenüber Menschen geworden, die – wie „Carrie“ – den Zwängen von Sekten entfliehen möchten und aussteigen wollen.

Du spielst Carries Mutter, Margaret White. Wie bist du zu der Rolle gekommen?

Einige Szenen des Stücks habe ich bereits beim Mitternachtsball, den mein Manager Andreas Luketa zu Halloween im Colosseum Theater Essen veranstaltet hat, gesungen und gespielt. Da habe ich schon ein Gefühl für die Rolle bekommen. Als dann die Anfrage aus Hamburg kam, das ganze Stück mit den Absolventen der Stage School umzusetzen, habe ich gern zugesagt.

Margaret White ist eine fanatisch religiöse Frau. Wie stehst du zu Religion?

Ich bin in Nijmegen in den Niederlanden aufgewachsen und wurde sehr liberal katholisch erzogen. Es war jedes Mal ein Fest sonntags in die Kirche zu gehen. Es gab einen Jugendchor und meine Geschwister haben in der Band gespielt. Danach saßen wir alle mit Limonade und Chips noch zusammen. Oft haben wir Brettspiele gespielt. Später wurde ich selbst Teil des Chors. Außerdem gab es die Pfadfinder für die Jungs und die „Zwerge“ für Mädchen. Ich fand das schön. Unser Pfarrer hieß einfach nur Nico und wir durften ihn alles fragen. Aber so etwas wie die Beichte kannte ich nicht.

Wie schaffst du es, dich in deine Rolle hineinzuversetzen?

Das ist gar nicht so leicht, weil mir diese fanatische Welt wirklich fremd ist. Deshalb habe ich viel recherchiert und mich mit Dokumentationen über Sekten und über Menschen, die dort aussteigen wollten, beschäftigt. Es ist wirklich grausam, was dieser Religionswahnsinn mit Menschen macht, die teilweise sogar Opfer von Gewalt werden. Ich habe mich von Colonia Dignidad über die Zeugen Jehovas bis hin zu Scientology über deren Machenschaften informiert und wenn ich jetzt die Rolle spiele, dann denke ich an die Erfahrungsberichte, die ich gelesen habe, und versetze mich in die Situation des fanatisch Gläubigen. Ich spiele es sozusagen nach.

Wie hast du dich auf die Rolle vorbereitet? Es ist ja kein einfacher Stoff…

Zusätzlich zu der oben beschriebenen Recherche habe ich Stephen Kings Buch nochmal gelesen und mir den Film von1976 nochmal angesehen.

Wieviel Maya Hakvoort steckt in Margaret White und umgekehrt?

GAR NICHTS. Und das ist erst das zweite Mal, dass ich das sagen kann. Bei „Mrs. Danvers“ in Rebecca ging es mir genauso. In „Margaret White“ steckt nichts von Maya Hakvoort und umgekehrt auch nicht.

Es geht in dem Musical auch um Demütigung und Mobbing, bist du schon mal mit dem Thema Mobbing in Berührung gekommen?

Ja klar. In der Volksschule ist es mir selbst passiert: Drei Mädchen in der Klasse hatten die Macht und weil ich und noch drei andere Mädchen da nicht mitgemacht haben, wurden wir gemobbt. Das war wirklich schwierig. Und Eltern nehmen es manchmal nicht ernst, wenn Kinder darunter leiden. Ich war froh, als wir umgezogen sind und ich in eine andere Schule kam, von da an war meine Welt in Ordnung.

Warum sollte man das Musical besuchen? Was ist die besondere Message? 

Es geht um junge, noch unsichere Menschen und deren Suche nach der eigenen Persönlichkeit, bei der man sie unbedingt unterstützen, ja sie behüten sollte. Damit sie eben nicht auf eine Sekte oder ähnliches hereinfallen. Darauf wollen wir mit diesem Musical aufmerksam machen.

Beschreibe Carrie-Das Musical in drei Worten…

Glaubenswahnsinn, Mobbing und Hoffnung.

Welche Frage würdest du Dir stellen, wärest du der Interviewer und was wäre deine Antwort?

Ist Musical ein Luxus?

Nein, es ist eine Notwendigkeit, um die Menschen zweieinhalb Stunden lang in eine andere Welt zu versetzen, aus der sie etwas für ihr Leben mitnehmen können.

Welche Frage(n) würdest du uns stellen, wärst du der Interviewer?

Habt Ihr Carrie schon gesehen? Und seid Ihr dem Thema Mobbing schon mal persönlich begegnet?

Wir haben Ausschnitte aus Carrie beim Mitternachtsball 2017 in Essen gesehen und waren total geflasht! Wir wollten es unbedingt in voller Länge sehen und haben jetzt dann endlich am 29.06.2019 die Gelegenheit dazu! Wir sind total gespannt auf die Umsetzung und freuen uns riesig!

Ena: Also in irgendeiner Weise sind wir glaube ich alle schon einmal mit dem Thema Mobbing in Berührung gekommen. Sei es als „Opfer“ in der Schule, weil man nicht zur „Marken-Klamotten-Gang“ gehörte oder einfach anders war als die „Coolen“. Sei es als „Zeuge“, wenn man Mobbing anderer mitbekommt oder auch als „Täter“, bewusst oder möglicherweise auch unbewusst.

Bei mir war es, weil ich nie so typische Mädchenhobbies wie shoppen oder schminken hatte, ich habe als Mädchen Fußball gespielt. Das hat einfach nicht ins Rollenbild einiger pubertierender Mitschülerinnen und Mitschüler gepasst und ich musste dadurch auch die eine oder andere „Nettigkeit“ einstecken. Zu der Zeit war die Aufklärung über das Thema Mobbing noch nicht so gut wie heute und die Entwicklung in der Beziehung finde ich großartig!

Meine Oma hat schon immer gesagt

Was du nicht willst, das man dir tu, das füge auch keinem anderen zu!

und sie hatte absolut Recht!

Judy: Auch ich habe in meiner Schulzeit einiges abbekommen. Wenn man nicht ganz dem „Idealbild“, das in den Köpfen vorherrscht entsprach oder einfach für das einstand, an das man glaubt, hatte man es leider manchmal etwas schwerer.

Diese Entwicklung hört leider auch nie auf. Als würden alle Teenager es wie ein unausgesprochenes Geheimes weitergeben. Ich arbeite in der stationären Jugendhilfe und sehe mittlerweile seit 15 Jahren wie sich jede(r) Jugendliche damit auseinandersetzen muss. Wie Virena schon sagt, sind dabei ganz oft die Opfer genau so Täter. Jeder gibt seinen „Frust“ weiter und irgendwie wird es leider auch immer drastischer. Ich finde es ganz toll, dass dem Thema Mobbing so viel Aufmerksamkeit geschenkt wird! Es gibt viel zu tun und es ist mir in meiner Arbeit sehr wichtig zu vermitteln, dass auch die Einsicht, über sich selber nachzudenken, ganz erheblich viel dazu beiträgt, jeden Menschen einfach so sein lassen zu können wie er/sie ist.


Besucht Maya im Netz:
Facebook: Maya Hakvoort
Instagram: mayahakvoortmusicproductions
Web: www.maya-hakvoort.com


Wir danken dir, liebe Maya, dass du uns einen tollen Einblick in das Stück und deine Rolle gewährt hast! Wir freuen uns schon sehr, es bald zu sehen und sind absolut gespannt!

Viele Grüße

Eure Judy und Ena

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: