Musicalchallenge

22.06.2019: Don Camillo und Peppone in Tecklenburg

IN KAUM EIN MUSICAL SIND WIR OHNE ERWARTUNGEN GEGANGEN, DIESES MAL SCHON…

…und wir wurden mit so viel Witz, Emotionen, tollen Darstellern und Choreographien absolut positiv überrascht!

Die Freilichtspiele Tecklenburg sind für uns mittlerweile fester Bestandteil des Musicaljahres geworden, es werden immer großartige Musicals mit einer Top-Besetzung gezeigt.

In diesem Jahr Don Camillo und Pepponeund Doktor Schiwago, als Familienstück wird Das Dschungelbuch aufgeführt.

Zu Tecklenburg selbst können wir nur sagen, dass das Städtchen alleine schon eine Reise wert ist. Die kleinen, süßen Geschäfte und Restaurants laden zum Verweilen ein und es fühlt sich schon bei der Anfahrt ein bisschen wie Urlaub an. Die Aussicht auf dem Weg zur Freilichtbühne ist einfach idyllisch und wunderschön.

Vor der Vorstellung haben wir im Teckolo – Genuss & Lifestyle in Tecklenburg das thematisch passende Gericht „Pasta Hallelujah“ gegessen und sowohl die Nudeln mit Tomaten, Feta und Parmesan, als auch das dazu servierte Brot waren hervorragend! Im Teckolo gibt es aber nicht nur tolles Essen, es gibt auch Liköre für jede Gelegenheit! Wer lecker essen, einen außergewöhnlichen Likör schnabulieren oder mit der Inhaberin über Musicals philosophieren möchte ist hier absolut richtig aufgehoben! Vielen Dank für eure herzliche und tolle Bewirtung!

Ein weiterer Tipp: Nehmt auf jeden Fall ein Sitzkissen mit, die Holzbänke der Freilichtbühne sind ziemlich unbequem!

Aber jetzt zurück zu Don Camillo und Peppone

Zunächst müssen wir gestehen, dass wir uns Don Camillo und Peppone vermutlich an einem anderen Ort, mit anderen Darstellern nicht angesehen hätten. Karten haben wir eigentlich nur gekauft, weil es uns in Tecklenburg immer super gefallen hat und das Stück großartig besetzt ist.

In kaum ein Musical sind wir ohne Erwartungen gegangen, dieses Mal schon…

…und wir wurden mit so viel Witz, Emotionen, tollen Darstellern und Choreographien absolut positiv überrascht!

Die Handlung ist recht schnell zusammengefasst:

Ein sehr kleines Dorf in Italien, ein Jahr nach dem Krieg. Der Pfarrer „Don Camillo“ hält mit Vehemenz an alten Traditionen und christlichen Rieten fest. Der neue Bürgermeister „Peppone“ möchte frischen Wind rein bringen und ist dem Kapitalismus ergeben. Die beiden Streithähne geraten immer wieder aneinander, da jeder eine andere Vision für „sein Dorf“ hat.

Dennoch merken sie irgendwann, dass sie aufeinander angewiesen sind. Im Laufe der Zeit finden Sie Kompromisse und am Ende sogar einen gemeinsamen Weg für die Zukunft.

Dann gibt es noch ein paar Nebenhandlungen wie z.B. die Liebesgeschichte zwischen „Gina“ und „Mariolino“, die Auseinandersetzungen zwischen dem Landwirt „Brusco“ und dem reichen Nachbarn „Filotti“, die sich nicht nur aufgrund der Liebe ihrer Kinder streiten, oder der anfängliche Flirt zwischen der Lehrerin „Laura“ und dem vermeintlich sterbenden „Nonno“.

So viel sei verraten: In allen Handlungssträngen gibt es ein Happy End!

Die beiden Hauptrollen Thomas Borchert als „Don Camillo“ und Patrick Stanke als „Peppone“ sind grandios besetzt!

Uns war vorher nicht bewusst, dass Thomas Borchert sooooo witzig sein kann. Wir kannten ihn ausschließlich als „Graf von Krolock“, was ja eher als ernste Rolle angelegt ist. Wir haben bei den Dialogen mit „Jesus“ und auch bei den Kabbeleien mit „Peppone“ teilweise Tränen gelacht. Die Mimik und das Schauspiel waren einfach fantastisch! Dabei konnte er blitzschnell zu sanfteren und nachdenklichen Tönen wechseln und bescherte uns die eine oder andere Gänsehaut. Großartiger Darsteller mit einer großartigen Stimme!

Patrick Stanke hat uns als „Peppone“ ebenfalls absolut überzeugt. Stimmlich war er wie immer top und er hat den einfach gestrickten „Birgamaister“ mit Bravour und einer gehörigen Portion Humor auf die Bühne gebracht ohne übertrieben dumm zu wirken. Sein schauspielerisches Talent und seine komödiantische Mimik waren einfach klasse und wenn man mal den Vergleich zum „Jean Valjean“ im letzten Jahr zieht, kann Patrick offensichtlich einfach in jeder Rolle glänzen!

Das Zusammenspiel der Beiden hätte aus einem Bud Spencer und Terrence Hill Film stammen können. Großes Kino!

Ein weiteres großes Highlight war Barbara Tartglia, die in der Funktion einer Erzählerin als „alte Gina“, die ihre Heimat besucht, durch die einzelnen Geschichten der Protagonisten führt. Mit ihrer warmen und klaren Stimme hat sie uns total in die Geschichte eingesogen und berührt.

Florian Albers als „Jesus“ kam total erfrischend in Jogginganzug und Sneakers auf die Bühne. Bei der Anfangsszene (wir wollen nicht zu viel spoilern), hat er die „alte Gina“ auf die Bühne begleitet und wir dachten zuerst es wäre ein Bühnenarbeiter und waren dann völlig überrascht, dass er eine wichtige Rolle spielt! Seine Stimme war mehr als passend, aber das solltet ihr euch selber anhören.

Bei Milica Jovanovic als „junge Gina“ und Dominik Hees als „Mariolino“, die auch im Privatleben ein Paar sind, spürte man direkt die Vertrautheit und der Umgang auf der Bühne miteinander war absolut warmherzig. Auch ihre Stimmen harmonieren ganz wunderbar. Es mag daran liegen, dass es erst die zweite Vorstellung war, dass man in einer Szene den Eindruck hatte, dass sie nicht recht wussten wo sie hin müssen.

Als Lehrerin „Laura Castelli“ stand Femke Soetenga auf der Bühne. Wir haben ihr sowohl die strenge Lehrerin als auch die verliebte Frau absolut abgekauft. Tolle und sympathische Darstellerin mit einer ganz tollen Stimmfarbe!

Nicht zu vergessen Sebastian Brandmeir als „Nonno“! Entschuldigung, aber bei der Maske, dem Kostüm und der Attitüde haben wir die ganze Zeit auf „Aristoteles, Empedokles, Aeneas, Parmenides und Nikomachos…“ oder „Logik, Logik, zur Wahrheit führt nur Logik!“ gewartet. Trotzdem passte genau das wunderbar in seine Rolle. Er scheint der geborene „Greis“ zu sein.

Ein bisschen überrascht waren wir hingegen von Kevin Tarte als „Filotti“. Vielleicht war er gesundheitlich angeschlagen, oder das Mikrofon war nicht richtig ausgesteuert, aber so sehr er es auch versuchte, gegen das Orchester oder seine Kollegen auf der Bühne konnte er nicht ansingen und war nur sehr leise zu hören. Schade, wo die Rolle doch eigentlich so toll zu ihm passt!

Was uns in Tecklenburg jedes Jahr aufs neue begeistert, ist der große Chor! Es sind so viele Menschen, von Jung bis Alt, dabei und erwecken die große Freilichtbühne zum Leben. Man hat den Eindruck, dass tatsächlich ein ganzes Dorf auf der Bühne steht.

Zudem wirken die großen Ensemblenummern durch so viel geballte Stimmkraft wirklich überragend und haben uns aufs neue sehr berührt.

Auch das Orchester hat wie gewohnt abgeliefert, das würden wir uns für so manche Long Run Produktion ebenfalls wünschen.

Das Bühnenbild lebt wie gewohnt von seiner Weitläufigkeit. Es ist kein Problem durchgehend die Kirche und auch das Dorf mit seinem Dorfplatz darzustellen. Zudem wird mit wenigen kreativen Umbauten der Zaun der verfeindeten Nachbarn platziert oder „Nonnos“ Schlafzimmer zur Schule umgebaut. Besonders wirkungsvoll wird die Kulisse im zweiten Akt, wenn die Beleuchtung so richtig zur Geltung kommt.

Die Kostüme und die Maske fanden wir auch wirklich gut. Die Rollen sind gut und klar zu erkennen und auch die zwei Lager der Dorfbewohner sind deutlich kenntlich gemacht.

Einen Kritikpunkt müssen wir noch los werden. Die Pause wirkte irgendwie deplatziert. Die Musik endete, plötzlich gingen alle von der Bühne und es wirkte wie eine technische Panne. Dann kam die reguläre Durchsage zur Pause. Laut der Gesamtaufnahme aus Wien, war die Pause auch an dieser Stelle. Uns hat sie irgendwie überrumpelt und aus dem Stück gerissen.

Unser Fazit: Wer einen tiefgründigen Musicalabend mit ausladender Story erwartet ist bei Don Camillo und Peppone fehl am Platz. Das Stück sprüht vor Humor und Selbstironie und bringt das Publikum auf eine ganz andere Art und Weise zum Weinen! Die Besetzung ist grandios, die Musik geht leicht ins Ohr und die „Massen“ auf der Bühne sind – wie jedes Jahr – absolut beeindruckend!

Viva Peppone!

Viele Grüße!

Eure Judy und eure Ena

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